Corten-Stahl die Edel-Rostfassade

Cortenstahl, oder richtig: witterungsfester Baustahl, hat seinen besonderen puristischen Reiz im leicht changierenden Farbton.

Zugleich warm und doch rau; in den erdigen Tönen zwischen rot und braun-schwarz besticht das Material für die Gestaltung in Kunst und Architektur.

Cortenstahl besitzt - im Gegensatz zu unlegiertem Stahl - eine erhöhte Widerstandskraft gegen die natürliche Korrosion unserer Atmosphäre. Unter dem Einfluss der Witterung bildet sich eine Deckschicht, die diesen Vorgang verlangsamt. Für gewöhnlich ist in den ersten zwei Jahren mit einem erhöhten "Abrosten" zu rechnen. Die Deckschicht bringt diesen Vorgang nicht vollständig zum Stillstand.

Geschichte des Cortenstahl

Bereits Anfang des Jahrhunderts wurde in Deutschland eine Legierung von Stahl durch die Zugabe von Kupfer, Chrom und Nickel legiert. Aber erst durch das bei den 'United States Steel' gefertigte Material, das den Markennamen Cor-ten für 'corrosion resistant und tensile strength', erhielt, sorgte für die weltweite Verbreitung. Die richtige Bezeichnung des Materials, unabhängig vom Hersteller, ist "Witterungsfester Baustahl".

Was passiert beim Entstehen der Patina?

Der Prozess der Rostbildung ist dem Rosten des unlegierten Baustahls gleich. Bei Cortenstahl bilden die Eisensulfate und Phosphoroxide mit den Legierungszusätzen aus Kupfer, Chrom und Nickel basische Sulfate und Phosphate - eine feste, undurchlässige Sperrschicht. Je nach Umwelteinflüssen und Witterung dauert dieser Prozess ein bis drei Jahre.
Damit im Fassadenbau dieser Prozess möglichst zeitnah erfolgt, kann nach Fassadenmontage ein künstlicher Wechsel von Nass-/Trocken-Zyklen diesen beschleunigen.
Erheblich behindern Chloride und auch dauerhafte Nässe die Bildung der Schutzschicht. In dieser Umgebung darf das Material nicht zum Einsatz kommen oder muss zusätzlich geschützt werden.

Lebensdauer von Fassaden aus witterungsfestem Baustahl

Der Abrostprozess läuft unter normalen Bedingungen viel langsamer als bei unlegiertem Baustahl ab. Die Gesamtdickenabnahme beträgt nach 3 Jahren ca. 0,05 mm und in den folgenden Jahren ca. 0,01 mm. Somit können auch Fassaden aus 1,5-3 mm dickem Blech zum Einsatz kommen.

Bearbeitung und Einsatz im Fassadenbau

Im Fassadenbau kommen vor allem Cortenstahl-Kassetten zum Einsatz. Das geringe Gewicht und die unsichtbare Aufhängung durch spezielle Clip-Systeme oder Edelstahlbolzen, sowie die meist planebene Verlegung können eine dauerhaft sichere und kontrollierbare Befestigung der Fassaden garantieren.
Bei der Verwendung von Flachblechen mit Durchdringungen oder angeschweissten Aufhängungen sind mindestens 5 mm starke Bleche mit entsprechend hohem Gewicht erforderlich. In der Vergangenheit kam es nach langer Nutzungsdauer der Fassaden mit Flachblechen zu Abstürzen des Materials ohne Vorwarnung. Bei Kassetten wird sich im Falle eines Schadens dieser durch "Klappern" des Materials bemerkbar machen.

Gefahren für das Material

Gefahren entstehen vor allem durch "Säurekorrosion“ der Rostschicht. Diese kann durch Vogelkot oder Urin von Hunden, Fingerabdrücken aber auch saure Industrieumgebung ausgelöst werden. Je höher der Säureanteil je grösser ist die Abtragung des wetterfesten Baustahles.

Einsatz und Besonderheiten

Bei der Planung ist besonders darauf zu achten, Kontakt mit anderen unedleren Metallen zu verhindern. Sie können zum Beispiel Zinkrinnen oberhalb von Cortenstahl befestigen, aber niemals unter dem Material. Alle mit witterungsfestem Baustahl in Kontakt stehenden Metalle, müssen aus Edelstahl oder pulverbeschichtetem Aluminium bestehen. Auch die Rinnnen zum Auffangen des abrostenden Wassers sind aus diesen Materialien zu fertigen und dürfen nur mit Cortenstahl verkleidet, aber niemals zur Wasserführung verwendet werden.
Ebenso ist auf die Wasserführung zu achten. Das ablaufende Wasser wird in den ersten ein bis drei Jahren stärkere Verschmutzungen hinterlassen.
Durch geeignete bautechnische Massnahmen kann dieser Effekt minimiert werden. So ist ein flächenbündiger Einbau von Fenstern, oder die Verwendung von schmutzempfindlichen Materialien unterhalb von Cortenstahl-Fassaden wie Wärmedämmverbundsysteme, zu vermeiden.
Unterhalb der Fassade sollte immer eine möglichst erdfarbene Kies- oder Steinschicht zum versickern des rostigen Wassers zur Verfügung stehen. Wärmeempfindliche Pflanzen sind im ausreichenden Abstand zur Fassade zu setzen.